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Philosophie der Existenz

 

 

 

 

 

Frankls grosses Interesse an der Philosophie und an der Sinnfrage bezeugt bereits sein erster öffentlicher Vortrag, den er im Alter von 16 Jahren an der Volkshochschule in Wien hielt: „Über den Sinn des Lebens“  ( 1921 ). 

Seit dieser Zeit bewegte er sich immer an einer Schnittstelle zwischen Philosophie, Psychologie und Medizin, um jene ganzheitliche Sicht auf den Menschen nie mehr aus dem Blick zu verlieren, die für die Entwicklung seiner Logotherapie und Existenzanalyse als einer Psychotherapie vom Geistigen her von so zentraler Bedeutung wurde.

 

„Existenz  ist immer auch anders werden können“.

 

 

Die Scheune des Daseins

 

 

Das philosophische Vermächtnis Frankls ist das ungeheuer tröstliche und kraftvolle Gleichnis von einer Scheune, in die wir alles Geleistete, Erlebte und Erlittene unseres Daseins einbringen und für alle Ewigkeit in Sicherheit wissen können, betont vor allem die spezifische geistige, transzendierende – stellungnehmende – Dimension im Menschen. Damit deutet es zuletzt auf  jene Wahrheit der Transzendenz hin, die das Dasein jedes Einzelnen ins Leben ruft, trägt und in Ewigkeit erhält. Mit dem Tod eines lieben Menschen verliert man vieles, aber niemals die gemeinsam verbrachte Zeit.

 

„ Im Vergangensein ist nämlich nichts unwiederbringlich verloren, vielmehr alles unverlierbar geborgen.“ ( Frankl )

 

 

 

Viktor Frankl entwickelte die 10 Thesen zur Person

 

 

 

These: Die Person ist ein Individuum

 

Sie  ist eine unteilbare Einheit, die auch nur als solche betrachtet und verstanden werden kann.

 

These: Die Person ist eine Ganzheit

 

Sie ist weder mit Anderem verschmelzbar noch geht sie in irgendeiner vermeintlich höheren Einheit auf ( Masse, Klasse, Volk, Gesellschaft ….)

 

These: Jede einzelne Person ist ein absolutes Novum

 

Sie ist einzigartig, einmalig, so nur als diese eine konkrete in der Welt.

 

These: Die Person ist geistig

 

Darin liegt ihre unverlierbare, unzerstörbare Würde, ihre selbsttranszendente, auf den Sinn gerichtete, werteverwirklichende Kraft.

 

These: Die Person ist existentiell

 

Sie ist potentiell frei zur eigenen Entscheidung in jedem Augenblick und so mitverantwortlich für die Gestaltung ihres Daseins.

 

These: Die Person ist ich-haft, nicht es-haft

 

Sie ist ihrem Wesen nach nicht von Trieben gesteuert, sondern lässt sich von geistig unbewussten und religiösen Impulsen leiten.

 

These: Die Person stiftet die leiblich-seelisch-geistige Einheit

 

Sie verbindet kraft der Selbstdistanz ihrer geistigen Dimension alle Elemente des Leiblichen und Seelischen zu einer Ganzheit und setzt sich mit ihnen auseinander.

 

These: Die Person ist dynamisch

 

Durch ihr Heraustreten ( existere ) aus dem Psychophysikum konstituiert sich die Person immer wieder neu in ihrer Geistigkeit und transzendiert sich selbst Richtung Über-Sinn.

 

These: Die menschliche Welt ist von einer uns unzugänglichen Welt überhöht

 

Wie das Tier die Welt des Menschen nicht zu begreifen vermag, kann der Mensch die jenseitige Welt allenfalls erahnen und ihr vertrauensvoll glaubend sich hingeben.

 

 

These: Die Person begreift sich erst von der Transzendenz  her

 

Im Sinnanruf der Transzendenz, den sie durch ihr Gewissen abzuhören vermag, empfängt sie im Grunde erst ihr Personsein, ihren unbedingten Sinn und ihre unverlierbare Würde.

 

 

 

Verantwortung

 

 

Dasein ist ein Sein, das immer noch entscheidet, was es ist. ( Frankl, „ Der Wille zum Sinn“ )

 

 

Frankl hat die Verantwortlichkeit als das Wesen des menschlichen Daseins betrachtet und in ihr unsere spezifische Bestimmung erkannt. Die Notwendigkeit und die Freiheit, sich in jedem Augenblick entscheiden zu müssen und zu können, bedeutet den eigentlichen Auftrag, der aus seiner geistigen Dimension an den Menschen ergeht. Dabei haben wir uns nicht beliebig oder willkürlich zu entscheiden, sondern eben verantwortlich,  im Einklang mit dem Sinnanruf der jeweiligen Situation, den wir kraft unseres Gewissens erhören und in unserer Intentionalität ( Gerichtetheit ) auf Werte erfühlen können. Was für Karl Jaspers, dt. Philosoph, 1883 – 1969,  die Grenzsituationen der menschlichen Existenz sind, die es anzunehmen gilt, um zum eigentlichen Selbstsein zu gelangen, das für ihn immer schon auf Transzendenz verweist und bezogen ist, wurde bei Frankl zu jener Tragischen Trias von Leid, Schuld und Tod, die uns durch ihre Unausweichlichkeit in unsere Verantwortung ruft.

 

 

 

Glaube

 

 

Der unbewusste Gott

 

„ Mag nun die Religion für die Logotherapie auch noch so sehr „nur“ ein Gegenstand sein, so liegt sie ihr doch zumindest sehr am Herzen, und zwar aus einem einfachen Grund: Im Zusammenhang mit Logotherapie meint Logos:  Sinn.

Tatsächlich geht menschliches Dasein immer schon über sich hinaus, weist es immer schon auf einen Sinn hin“. ( Frankl, Der unbewusste Gott ).

 

Frankl formuliert – wie Karl Jaspers - ein persönliches, philosophisches, nicht konfessionell gebundenes Bekenntnis, das durch seine innere Logik und Konsequenz besonders glaubwürdig erscheint, es aber gerade dem freien, existentiellen Nachvollzug jedes Einzelnen überantwortet, es zu teilen oder nicht. Gerade dadurch nimmt es die Individualität und Eigenständigkeit jeder Person unbedingt ernst. Die Anthropologie als Wesenslehre des Menschen  „habe es sich zu Versagen, den Menschen vom Menschen her restlos verstehen zu wollen, sondern sie müsse offen bleiben – offen auf Welt und auf Überwelt hin; sie muss die Tür zur Transzendenz offen halten“. ( Frankl, Anthropologische Grundlagen )

 

 

Selbsttranszendenz

 

 

Die Trotzmacht des Geistes

 

„Vernichtet der Tod nicht jeglichen Sinn? Keinesfalls. Die Menschen scheinen zu vergessen, dass das Vergangene nicht verloren ist, sondern ganz im Gegenteil, aufgehoben und vor der Vergänglichkeit bewahrt. Normalerweise schaut der Mensch nur auf das Stoppelfeld der Vergänglichkeit, und er übersieht die Kornspeicher der Vergangenheit, in denen ein für allemal lagert, was er erreicht hat – sei es durch schöpferische Akte, durch die Liebe oder durch das richtige Erleiden dessen, was er nicht verändern noch verhindern konnte.

 

Gewesen zu sein ist auch eine Art zu sein, und vielleicht die sicherste. Und alles, was jemand in seinem Leben vollbracht hat, kann aus dieser Sicht als ein Bergen – durch Verwirklichen! – von Möglichkeiten erscheinen. Gewiss, Zeit, die vergangen ist, lässt sich nicht zurückrufen; aber was in ihr geschehen ist, ist unangreifbar und unverletzlich geworden“. ( Frankl, Der Wille zum Sinn )

 

Indem der Mensch überhaupt zu fragen, zu suchen und nachzudenken vermag, sich sehnt nach einem Sinn seiner Existenz, erhebt er sich bereits in Würde über die Niederungen seiner Instinkte und richtet seinen Blick auf die Welt um sich und den Himmel über sich.

 

Das der Mensch überhaupt jenes „ethische Stadium“ erreicht und sich in Freiheit an Werten zu orientieren vermag, auf sie hin sein Leben ausrichtet und so mit Sinn zu erfüllen vermag, verdankt er eben dieser Fähigkeit zur Selbsttranszendenz.

 

Dieser Beitrag ist ein Auszug  aus der aktuellen Dokumentation der Begleitbroschüre zur Wander-Ausstellung vom Viktor Frankl Zentrum Wien, die auch im Schweizerischen Institut  ( ILE )  in Chur erhältlich ist.

 

 

 

Sinnorientierte Lebenshilfe

 

 

Die Freude

 

Interessante Gedanken zur: „Die Freude“ von Prof. Dr. phil. Elisabeth Lukas aus ihrem Buch: „Psychotherapie in Würde“. Verlag: Quintessenz, 1994, ISBN  3- 86128 – 281 - X

 

„Menschen verändern sich, wenn ihnen ein schweres Leid widerfährt, und vielfach leben sie „danach“ bewusster, wacher, bescheidener und wertfühliger als zuvor“. Hier bietet Frau Dr. Lukas die Freude als Therapeutikum von der „Intensiviermacht des Geistes“ an. „Die Logotherapie klammert das subjektive Erleben des Menschen nicht aus. Im Gegenteil, ihr Ansatz hilft mit, sich selbst als Person zu spüren, sich von Werten berühren zu lassen, sich selbst als „vom Leben gemeint“ zu verstehen. Trotzdem wird in der Logotherapie vorsichtig mit dem Begriff des Gefühls umgegangen, denn es gibt zweierlei Kategorien von „Gefühl“. Zum einen gibt es die Wertfühligkeit als geistigen Akt des Menschen, der „ganz bei sich“ ist, indem er ein über sich Hinausgehendes intendiert“.

 

„Zum anderen gibt es die psychisch-triebhafte Gefühlslage im Menschen, die irrational, täuschend und sein Ich blockierend sein kann, wie wir aus der Neurosenlehre wissen. Das heisst, nicht jedes Gefühl ist existentiell, steigt empor aus tiefstem Menschsein und Eigentlichsein; gewisse Gefühle sind auch schlichtweg Zeichen einer krankhaften Entwicklung bei diesem Menschen“.

 

„Hier ist Differenzierungsarbeit zu leisten!  Deswegen ist die Spaltung zwischen Kognition und Emotion nicht dadurch zu überwinden, dass die Würfel zugunsten der Emotion fallen – wie es manche psychologische Strömung heute fordert - , sondern nur dadurch, dass beides überhöht wird in der Geistigkeit des Menschen, in der sich eine neue Dimension öffnet: die Sinnperspektive“.

 

Die Freude ist nun ein klassisches Beispiel für ein intentionales Gefühl der ersten Kategorie. Sie kann nie anders sein, als Freude über etwas oder an etwas, sie ist kein Kind des Vakuums, sondern besitzt stets einen „Grund“, ihren spezifischen „Grund zur Freude“. Dieser pfopft sich auf einem über jeglichen aktuellen Anlass hinausreichenden  „Sinn-Grund“, das Leben zu bejahen, zu lieben, wertzuschätzen, eben sich daran zu erfreuen. Ohne einen solchen „Sinn-Grund“ wird der spezifische „Grund zur Freude“ mühsamer aktiv und verglimmt schneller als sonst, fast wie ein „Strohfeuer“. Weshalb gute Lebensbedingungen und ein freudloses Dasein leider kein notwendiger Widerspruch sind“.

 

„Dank ihres normalerweise in den „Sinn-Grund“ des Lebens eingenisteten und ihm aufgelagerten spezifischen „Grundes“ verhilft die Freude zur vielleicht gegenwärtigen Form des In-der-Welt-Seins. Der Mensch, der sich freut, ist ganz da, ganz präsent, in optimaler Übereinkunft mit sich und der Welt, er ist nicht entzweit, entfremdet oder in der Irre. Er ist gleichsam, wo er hingehört, ist für Momente seines Daseins kein Suchender mehr, sondern ein Findender, ein Sich-Wohlbe-findender auf dem Boden eines basalen Übereinstimmung mit dem Sein der Welt. Der Mensch, der sich freut, ist integriert, er steht nicht draussen vor der Tür seiner Existenz“.

 

„Demgegenüber ist der Mensch ohne Freude der Mensch ohne Zugehörigkeit. Er ist ein Fremder in allen Lebensbereichen, und auch mit sich selbst nicht im Reinen. Er lebt nicht, wie es ihm gefällt, und es gefällt ihm nicht, wie er lebt. Hinter diesem Vermissen eines „spezifischen Grundes der Freude“ ist ihm meist ein Stück „Sinn-Grund“ entglitten. Da er nichts sieht, über das er sich erfreuen könnte, dominiert die Leere in seiner Welt. Der Mensch ohne Freude existiert wesentlich im Fehlen von etwas. Frau Dr. Lukas beschreibt auch die Begriffe der „Vor- und der Nachfreude“, der „Freude und der Freudlosigkeit“.

 

„Wir sehen, die Erfahrung lehrt zwar,  dass Freude und Freudlosigkeit in unserem Leben wechseln, und das die Freude rein quantitativ seltener auftritt als die Freudlosigkeit; diese Erfahrung berechtigt aber trotzdem nicht zur Resignation. Denn weil die Freude vor sich und hinterher sich her in die Freudlosigkeit hineinscheint, verändert sich rein qualitativ unser gesamtes Leben. Sie ist ein Stabilitäts- und Integrationsfaktor, der es uns ermöglicht, immer wieder der Entfremdung zu entrinnen und da zu sein, wo wir hingehören: bei uns selbst und mit unserem Selbst in der Welt“.

 

„Betrachten wir im Folgenden die Freude weniger unter dem Blickwinkel eines „Gradmessers der seelischen Gesundheit“, sondern eher als Therapeutikum. Es liegt auf der Hand: Könnte sich jemand öfter und inniger freuen – und das könnte er eben nur „über etwas“ oder „an etwas“ – würde sich sein Bezug zu jenem Etwas verstärken, was gleichbedeutend wäre mit der Erstarkung seiner „Bezugsfreudigkeit“. Das Mit-trauern, Mit-leben, Mit-spielen, Mit-arbeiten, Mit-freuen und Mit-lieben (Alfred Adler) würde ihm wieder geläufiger, der ihm entglittene „Sinn-Grund“ würde ihm transparenter. Der Haken dabei ist bloss, dass man sich nicht auf Befehl freuen kann.

Es ist jedoch denkbar, dass die von Viktor E. Frankl sobenannte „Trotzmacht des Geistes“ auch der Freudlosigkeit gegenüber zum Zuge kommen kann, und zwar im Gewand einer „Intensiviermacht des Geistes“, sprich, einer inneren Haltung des Menschen, aus der heraus er gezielt die vielen kleinen Anlässe , die das Leben ihm zur Freude bietet, aufgreift und mit einer Aura der Besonderheit umgibt. Als ein besonderes sprühen sie länger am Nachthimmel und im Zwielicht der Vor- und Nachfreude und lassen vielleicht mit der Zeit den Tag anbrechen – den Tag einer rückgewonnenen Übereinkunft mit der Welt“.

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Frau Dr. Lukas beschreibt in ihrem Buch ausführlich und spannend viele Beispiele aus ihrer beruflichen Tätigkeit als Psycho- und Logotherapeutin.

 

 

Die Freude am eigenen Sein, gemeint ist die Freude am Tun, Gestalten, Sich-bewegen.

Viele Stunden täglich müssen wir eine Menge tun. Wir müssen aktiv sein und uns körperlich und geistig bewegen. Solches Tun und Sich-Bewegen kann als lästig empfunden werden, als mühseliges Sich-Aufraffen-Müssen etc.  Man kann alles mit Widerstand tun, jede Bewegung mit einem Seufzer der Überwindung machen. Allein unser Standpunkt zählt. Denn es kann auch als herrlich empfunden werden, etwas tun zu dürfen und sich bewegen zu können. Logotherapeutisch heisst das: „Die Freude am eigenen Können“.

Dem gegenüber gibt es eine typisch neurotische Lebenspraxis, deren Basis das „Nicht-Können-Wollen“ ist. Wer etwas nicht tut, der kann es auch nicht, und wer es nicht kann, braucht es nie zu tun, um sich vor Verantwortlichkeit und der entscheidenden Lösung von Problemen zu drücken, wie sie auch unter dem Seligmanschen Begriff der „erlernten Hilflosigkeit“ in der Fachliteratur beschrieben worden ist.

 

 

Die Freude am Schauen, Lauschen, Denken.

Es sind die Stunden die uns allein gehören. Wir bestimmen, wofür wir sie verwenden. Sie können das reine Auftankreservoir der Freude sein. Vorausgesetzt, dass nach vorangegangener Aktivität  „Ruhe einkehrt in die Seele“. Denn nur die „baumelnde Seele“ träumt und verwebt das Grandiose und Zärtliche dieser Welt in ihren Traumgespinsten. Beim versunkenen Schauen zum Beispiel:  auf einen blühenden Strauch auf der Wiese, auf ein Schneckengehäuse am moosigen Waldboden, das Lauschen eines Chores oder besinnlichen Melodien…. sie alle rücken uns näher in einem Erschaut-werden und erzählen von unserem Dazu-gehören  und Eins-sein mit der unbegreiflichen Fülle eines Ganzen, dem „Logos“. Logotherapeutisch heisst das: „Im Träumen entwickeln wir uns auf unsere Traumbilder zu. Im gedanklichen Spiel mit Wirklichkeiten ist der Keim für Wirklichkeits-Veränderung enthalten“.

Dem gegenüber gibt es seelische Basisschwächen mit lebenslangen Konsequenzen. „Disziplinlosigkeit ist ein gutes Beispiel dafür. Sie sorgt für Übergewicht genauso wie für Geldschulden oder für häufig abgebrochene Beziehungen. Helfen kann sich der Mensch in  der Einsicht und Einkehr stiller Stunden, in denen der Mensch sich seinen eigenen Schwächen stellt, sein Leben überdenkt und sich an seine eigenen Stärken und Fähigkeiten bewusst wird“.

 

 

Die Freude am mitmenschlichen Sein.

In unserem täglichen Alltag verbringen wir in hohem Masse gemeinschaftlich mit anderen Menschen und allen auf dieser Erde lebenden Geschöpfen. Dies kann auch ein Reibungspunkt oder ein zusätzlicher Quell der Freude sein.  Freude wird es demjenigen  bereiten, der Kooperation und Teamwork schätzt und sich bei hinreichender sozialer Kompetenz seine Individualität zu bewahren weiss. Diese Freude an der Gemeinschaft ist in der Tat etwas Besonderes und sollte als solches registriert werden. Wie oft merken Menschen erst nach ihrer Trennung, was sie an einander hatten. Die Freude, dass es den anderen gibt, dass er da ist und einem nahe ist, ist eine sehr elementare Freude. Darüber hinaus gibt es die Freude an diversen Gemeinsamkeiten, die als Einzelaktion geringeren Spass machen würden oder überhaupt nicht durchführbar wären.

Dem gegenüber ist der Ärger des Loslassen-Müssenden, der seine Gedanken und Hände festgebunden sieht und somit für kommende Ereignisse blockiert ist. Wer nicht kooperativ ist, hat Mühe, sich in seiner tristen Welt zu behaupten. Die Wertschätzung der Kooperation hingegen lockert die Notwendigkeit, sich den täglichen Herausforderungen zu stellen. „Wo die Kraft des Ichs endet, trägt ja das Wir weiter“. In der Freude sind wir so spontan und ehrlich wie selten, hingegeben an dasjenige, was zwischen den Rollen und Masken passiert.

 

 

Die Freude von der Ausstrahlung eines Menschen, die auf einen anderen Menschen übertragen werden kann.

Damit ist gemeint, was per Ausstrahlung von einem Menschen auf einen anderen „überläuft“ und auf ihre Mitwelt ausstrahlt. Wobei sich die Begriffssphäre keineswegs auf nonverbale Signale wie Körperhaltung, Mimik, Gestik und das sich darin Ausdrückende beschränkt. In der Logotherapie wird auf eine positive Geisteshaltung und auf ein würdiges Menschenbild einer  Person geachtet. Freilich kann jedem Einfluss widerstanden oder nachgegeben werden, dennoch besteht die Gefahr einer Verführungssituation; z.B. in Glaubensgemeinschaften. Das therapeutische Ziel sollte immer die Anregung  für das Leben und zur Liebe zum Leben sein.

Es gibt Menschen, die Wohlbehagen um sich verbreiten. Es braucht nichts Besonderes, mit ihnen zusammenzukommen, etwas zu  besprechen oder auszudiskutieren, das Besondere ist die Atmosphäre, die sie verbreiten. Eine Atmosphäre, in der jeder frei atmen und er selbst sein kann. Mit solchen Menschen beisammen zu sein, ist einfach eine reine Freude. Weil sie das Leben lieben, locken sie die Liebe zum Leben hervor. Gemeinsame Unternehmungen sind wunderbar, solange durch eine positive,  geistige Auseinandersetzung ein Wohlbehagen besteht.

Es kann erbaulich sein, einem solchen hin und wieder zu begegnen und auch ohne Worte zu spüren, was von ihm „herüberkommt“. In gewisser Weise können Schweigeübungen und ihre Schwingungen zwischen uns Menschen, den Tieren und Pflanzen eine Intensivierung der Freude auslösen, insbesondere mit dem Charisma der Liebe. Mit der Logotherapie werden diese Fähigkeiten gemeinsam erarbeitet und gefördert.

 

 

Die Freude an Konfliktlösung und Mediation.

Dass mediatorische Handlungen wie Konfliktlösung, Streitschlichtung und Kompromisserarbeitung mit Freude in Verbindung zu bringen sind, wird kaum vermutet. Meist erscheinen sie als notwendiges Übel und werden meist mit Wut, Hilflosigkeit und dem Zwang zum Gesicht-Wahren assoziiert. Logotherapeutische Mediation beachtet insbesondere die Wertsysteme der im Konflikt befindlichen Parteien. Eine allgemeine Regel lautet: „Gemeinsame Werte zu verbinden“, vorausgesetzt, dass beide Seiten wertorientiert denken und argumentieren. Unterschiedliche Werte müssen im Kontrast darum behutsam gehandhabt werden. Bemüht sich jedoch eine Seite, sich in die Wertewelt der anderen hineinzutasten, merkt sie bald, dass auch jene andere nicht nur egoistische und destruktive Anliegen verfolgt, was bei einem Streit üblicherweise  angenommen wird. Ein „wertorientierter Feind“ kann kein „ganz böser“ sein.

Ein hervorragendes Therapeutikum gegen Schuldzuweisungen und Zurückweisungen  von – echten oder vermeintlichen – Schuldzuweisungen ist nun die Freude und ein wenig Humor an der positiven Konfliktlösung. Sie legt die Schuldfrage zur Seite und stellt die Wertfrage in den Mittelpunkt. Welche Werte welcher Person sind bedroht, beschädigt, und wie können sie gemeinsam „repariert“ werden, ohne dass einer der Beteiligten einschneidende Eingriffe in sein eigenes Wertesystem in Kauf nehmen müsste?  Ein spannendes Unternehmen, auch in der Variante der Mediation, bei der ein Unbeteiligter seine Unterstützung gewährt.

Mediation auf Wikipedia ( lateinisch) „Vermittlung“, siehe Beispiel:  „Geschichte, die Epoche in der Schweiz (1803 – 1813)

 

 

Die Freude an der Freude eines anderen.

Eine Abhandlung über die Freude soll nicht enden ohne Hinweise auf die höchste und vollendeste Form der Freude, nämlich die Freude an der Freude eines anderen Menschen. Allerdings ist diese Freude nicht „billig“ zu haben. Sie verlangt ein Ablegen aller Regungen von Missgunst und Neid, deren Nährboden die nach gerechtem Ausgleich heischende Frage ist, warum es einem anderen besser gehen soll als einem selbst?  Die Freude, dass es einem oder mehreren anderen gut geht, besitzt  geradezu „Weltverbesserungspotential“. Man stelle sich bloss vor, Völker würden jubeln, wenn ihre Nachbarn in beständigem Frieden und Wohlstand leben. Wie würde doch der Planet Erde sein Antlitz verändern !  Die es ihren Wunden erlaubte, zu vernarben ?

Freilich, wir sagten, sie, die Freude ist nicht  „billig“  zu haben. Um die Freude an der Freude eines anderen  zu intensivieren, müssen wir wahrlich unsere „Intensiviermacht des Geistes“ anzapfen. Jene Macht, die uns als „Trotzmacht des Geistes“ selbst einem „höllischen“ Schicksal noch die Stirn zu bieten hilft, die uns aber nicht minder befähigt, dem „himmlischen“ Schicksal unserer Mitmenschen ein wohlwollendes Lächeln zu schenken. Kommt es aus ehrlichem Herzen, ist der „Himmel“ auch in uns. Nutzen wir diese Erkenntnisse zum Wohle eines anderen und schämen wir uns nicht, seine Probleme und Klagen anzuhören. Das ist gelebte Logotherapie.

 

 

Das kleine Buch für zwischendurch „ Freude“, Herder Verlag – Spektrum - Band 7138,  ISBN  978-3-451-07138-6. So unterschiedlich die Dinge sind, über die wir uns freuen, so schön ist es, dass sich mit ein bisschen Nachdenken jeder an grosse oder kleine Momente der Freude erinnern. Diese Momente sind es, die uns helfen, den Alltag zu leben – und ihn zu etwas Besonderem werden zu lassen. Sie sind wie kleine Lichter, die auch die dunklen Tage in unserem Leben erhellen. „Mitten im Alltag eine Auszeit nehmen: eine kleine Lesereise durch die Texte grosser Autorinnen und Autoren. Schenken Sie sich Zeit für die Freude“.

 

 

 

 

Bei  Logotherapie“ finden Sie auch sämtliche Internet-Adressen der Institute.

 

 

 

 

 

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